Seit dem Jahr 2000 verbindet den Landkreis Bad Doberan eine partnerschaftliche Beziehung mit dem polnischen Landkreis Sławno.
Ein wichtiger, für den Aufbau dieser Partnerschaft sprechender Punkt war die Tatsache, dass die Landkreise in Polen durch die dort 1999 in Kraft getretene Verwaltungsreform einschließlich der Wiedereinführung der Landkreise mit zum Teil vergleichbaren Fragen und Problemen konfrontiert sind, wie die ostdeutschen Landkreise in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Es war unsere Intention, hier zu unterstützen, aber auch den Austausch untereinander zu fördern.
Der Landkreis Sławno erstreckt sich über eine Fläche von 104.362 ha, ist jedoch mit ca. 60.000 Einwohnern wesentlich dünner besiedelt als der Landkreis Bad Doberan. In Lage und Struktur sind sich beide Kreise sehr ähnlich, der Landkreis Slawno liegt an der Ostseeküste und ist überwiegend durch Landwirtschaft und Tourismus gekennzeichnet. Die Entfernung zwischen den beiden Kreisstädten beträgt etwa 425 km.
Landkreis Sławno

(Staatsgebiet Polen)
Erste Kontakte nahmen die beiden Landräte Thomas Leuchert und Henryk Lompert im Oktober 1999 auf. Im Verlaufe des anschließenden Besuchs in Sławno am 16. und 17. Dezember 1999 und des Gegenbesuchs vom 09. bis 11. März 2000 haben sich bereits mehrere Möglichkeiten der Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen eröffnet. Im Ergebnis haben beide Landräte bzw. die Kreistagspräsidenten und Landräte nach der gemeinsamen Diskussion mit den Kreisausschussmitgliedern entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet. Darauf aufbauend haben der Kreistag Bad Doberan am 26. April 2000 und der Kreistag Slawno am 27. April 2000 einstimmig beschlossen, ihre Landräte und Kreistagspräsidenten zu ermächtigen, einen Vertrag über die Zusammenarbeit abzuschließen.
Dieser Beschluss wurde während eines dreitägigen Besuchs in Sławno vom
29.
bis zum 31. Mai 2000 umgesetzt.
Vertragsunterzeichnung
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Ziel der Partnerschaft ist im Wesentlichen, die Zusammenarbeit auf allen Ebenen des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens anzustreben und zu fördern. In diesem Sinne wurden gleich die ersten Besuche dazu genutzt, Vertreter der Verwaltung, des Kreistages und seiner Ausschüsse, des Sports, der Freiwilligen Feuerwehr sowie der Unternehmen miteinander bekannt zu machen.

(Foto vor der Kreisverwaltung in Sławno)
Im Laufe der Zeit haben sich erfreulicherweise auch außerhalb der Kreisverwaltungen einige intensive Kontakte gebildet, beispielsweise im Bereich der Feuerwehr, der Schulen und des Sports, die durch gegenseitige Besuche gepflegt werden.
Erweiterung der internationalen Beziehungen des Landkreises Bad Doberan
Wir haben bereits darüber informiert, dass mit der Unterzeichnung des Vertrages über die Zusammenarbeit zwischen dem Landkreis Bad Doberan und dem Landkreis Slawno (Polen) im Mai 2000 eine neue Qualität in der Gestaltung der gegenseitigen Partnerschaft erreicht wurde. Eine vielfältige Zusammenarbeit auf verschiedenen Gebieten des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens hat sich seitdem gestaltet. Kontakte wurden vermittelt und unterstützt. Es erfolgt ein beiderseitig nutzbringender Austausch auf verschiedenen Ebenen und Bereichen.
Seitdem haben weitere Landkreise aus dem baltischen Raum (Republik Estland, Lettland, Litauen) ihr Interesse an einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit bekundet.
Auf Einladung des Landkreises Ida-Virumaa (Estland) besuchten im September des vergangenen Jahres Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung des Landkreises Bad Doberan diesen estnischen Landkreis, der im Norden an die Ostsee, im Osten an Russland und im Süden an den Peipussee grenzt. Im Amtlichen Mitteilungsblatt des Landkreises Bad Doberan Nr. 12/2001 wurde in einem Interview mit Herrn Manfred Gerth, Beigeordneter und 1. Stellvertreter des Landrates, über die Reise berichtet.
Der beeindruckende und erfolgreiche Verlauf der Reise bestätigte den Wunsch nach einer gemeinsamen Zusammenarbeit beider Landkreise auf den verschiedensten Gebieten. So konnte beim Gegenbesuch der estnischen Partner im Mai 2002 bereits eine gemeinsame Absichtserklärung über die Zusammenarbeit u. a. auf dem Gebiet von Wirtschaft und Tourismus, zwischen klein- und mittelständischen Unternehmen und Tourismusbetrieben unterzeichnet werden.
Der Kreistag hat auf seiner Sitzung im Juni 2002 diese Absichtserklärung als Willensbekundung und Handlungsgrundlage bestätigt. Wie diese Erklärung mit konkreten Vorhaben und Projekten mit Leben erfüllt werden kann, wird eine Delegation unter Leitung des Landrates, Thomas Leuchert, Anfang Oktober mit Vertretern des Landkreises Ida-Virumaa beraten und festlegen.
Zur Intensivierung der bereits bestehenden Kontakte mit dem Internationalen Bund (IB), Bildungszentrum Mecklenburg-Vorpommern, Verwaltungssitz Bad Doberan hat auch der lettische Landkreis Daugavpils den Wunsch geäußert, in partnerschaftliche Beziehung zum Landkreis Bad Doberan zu treten. Der Landkreis Daugavpils liegt am südöstlichen Rand Lettlands. Die Region Daugavpils ist geprägt durch eine reizvolle Hügel- und Seenlandschaft, beeindruckende Naturschutzgebiete und den bekanntesten Fluss Lettlands – die Daugava. Informationen über unseren lettischen Partnerkreis Daugavpils findet man im Internet unter www.daugavpils.lv und www.latviatourism.lv. Auf Einladung des Landrates, Thomas Leuchert, besuchten Vertreter der Region Daugavpils im August 2002 unseren Landkreis.
Die Gäste lernten unsere schöne Landschaft und verschiedene Sehenswürdigkeiten kennen und erhielten Einblicke in die wirtschaftliche und touristische Infrastruktur unserer Region. Die Delegation unter Leitung des Landrates, Vitalijs Aizbalts, und seiner Stellvertreterin, Inara Natarova, hat mit Vertretern von Politik, Wirtschaft und Verwaltung intensive und anregende Gespräche geführt. Der Landrat des Landkreises Daugavpils informierte über die administrative Reform in Lettland, die bis Ende 2004 beendet sein soll. Im Rahmen dieser Reform gewinnt die regionale Entwicklung an Bedeutung. Die Agentur für die Entwicklung der Region, deren Vorsitz der Landrat führt, arbeitet gezielt an effizienten Gemeinde- und Verwaltungsstrukturen, die den großen Entwicklungen in Lettland Rechnung tragen.
Den Gästen wurde ein interessantes Besuchsprogramm geboten. Neben dem Besuch des Münsters, einer Mollifahrt nach Heiligendamm und dem Kennenlernen unserer Kreisstadt Bad Doberan war der Besuch des Seeheilbades Heiligendamm sehr eindrucksvoll. Wir danken herzlich Herrn Sähn, ECH Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm GmbH & o. KG, für die interessante Führung durch das Seeheilbad und die Vorstellung der künftigen, bereits zu erkennenden Wandlung des Antlitzes des Ortes. Der Aufenthalt der Delegation wurde bereichert durch den Besuch beim Reitbetrieb und der Pensionspferdehaltung Petra & Ulf Beyer GbR in Parkentin. Eindrucksvoll haben Petra und Ulf Beyer den Gästen den Gewerbebetrieb vorgestellt und vom Alltag, den Höhen und Tiefen der selbständigen gewerblichen Tätigkeit berichtet. Wir danken auch dem Geschäftsführer der Neptun Haus GmbH, Herrn Bleek, Bad Doberan, für die interessante Vorstellung seines Betriebes. In Erinnerung wird wohl auch die Kutterfahrt um die Halbinsel Wustrow bleiben. Herzlichen Dank an Frau Effenberger, Angelfachgeschäft "Wattwurm" aus Kühlungsborn. Vielen Dank auch dem Bürgermeister der Stadt Kühlungsborn, Herrn Karl, für die Vorstellung des Ostseebades Kühlungsborn.
Im Ergebnis des Besuches unserer Gäste aus Lettland wurde eine Protokollerklärung zwischen beiden Landkreisen über die weitere Zusammenarbeit unterzeichnet
Dabei geht es um den Austausch von Erfahrungen und Kenntnissen auf dem Gebiet von Wirtschaft und Tourismus, die Zusammenarbeit zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen und den Erfahrungsaustausch auf verschiedenen Ebenen der öffentlichen Verwaltung.
Weitere Kontakte zwischen gesellschaftlichen Organisationen, Vereinen und Verbänden sollen vermittelt werden. Vor allem soll der Austausch auf dem Gebiet der Jugend- und Sozialarbeit gefördert werden. Konkrete Projekte sollen entwickelt und umgesetzt werden. Vertreter unseres Kreises werden im November in Daugavpils dazu gezielte Absprachen treffen.
Regina Knüppelholtz
Stand: Mai 2003