

Liebe Bürgerinnen und Bürger des Landkreises Bad Doberan,
sehr geehrte Gäste und Interessierte,
mit dieser Internetseite eröffnet Ihnen der Landkreis Bad Doberan einen kleinen Überblick zur Archäologie in dieser Region. Sie soll Ihrer Information dienen und Ihnen helfen, die heimatliche Landschaft noch besser zu verstehen. Zudem soll sie Anregung sein, Kulturdenkmäler sowie nicht niedergeschriebene Geschichte in den Wäldern und Fluren, Städten und Dörfern zu erleben.
Die gut strukturierte Grund- und Endmoränenlandschaft, welche durch die Gletscher der letzten drei Eiszeiten geformt wurde, bot den Menschen schon immer beste Lebensbedingungen. Die Siedler hinterließen nicht nur die unterirdischen Reste ihrer zahlreichen Jagdstationen, Siedlungen, Werkplätze und Gräberfelder. Für ihre Toten errichteten sie in der Jungsteinzeit vor ca. 5.500 Jahren gewaltige Grabmonumente, die Hünen-, Großstein-, Megalithgräber oder auch Dolmen genannt werden. Es sind die ältesten Bauwerke in dieser Landschaft. Bronze- und früheisenzeitliche Bauern schütteten für ihre Toten Hügelgräber auf, die früher als Kegelgräber bezeichnet wurden. Dem Schutz slawischer Siedler dienten verschiedene Burgen.
Viele Bewohner dieser Landschaft versuchten seit Beginn des 19. Jahrhunderts dieses Erbe zu erhalten und der Öffentlichkeit zugängig zu machen. Herzog Friedrich Franz I. setzte sich besonders dafür ein, er erließ als einer der Ersten eine Verordnung zu dessen Schutz. Der 'Verein für Mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde' setzte diese Bemühungen fort. Auch heute sorgen das Land, die Landkreise, die kreisfreien Städte und Gemeinden, unterstützt von vielen ehrenamtlichen Helfern und interessierten Bürgern, für die Erhaltung dieses einzigartigen Erbes, welches unsere Landschaft prägt.
Ich möchte Sie einladen, den Landkreis Bad Doberan zu erleben - natürlich mit seinen einzigartigen Bodendenkmalen, aber auch die unvergessliche Ostseeküste mit ihren Sanddünen und Kliffen, mit ihrem wunderschönen Hinterland, der vielgestaltigen Natur, den Städten und Dörfern mit ihren Baudenkmalen, den Gutshäusern, Kirchen, Museen und Parks, mit den dort lebenden Künstlern und der hier einmaligen Luft. Diese Internetseite wird Ihnen sicher viele Anregungen geben. Ich wünsche Ihnen die nötige Muße, einzutauchen in die interessante Geschichte unserer Region.
Ihr Thomas Leuchert
Landrat
Liebe Benutzer der Internetseite "Bodendenkmalpflege",
der Landkreis Bad Doberan hat eine von ur- und frühgeschichtlichen Siedlern intensiv genutzte Landschaft. Die Nähe der Ostsee garantierte seit jeher ein recht ausgeglichenes Klima und bot vielfältige Ernährungsmöglichkeiten. Die Flüsse Warnow und Recknitz, Bäche, wie der Hellbach oder der Weidbach, durchziehen mit einem dichten Netz von Zuflüssen die Fluren. Die Grund- und Endmoränen mit Seen, Teichen, Söllen, Sümpfen und stark wechselnden Bodenverhältnissen boten einer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt gute Lebensgrundlagen.
Die Jäger, Sammler und Fischer hatten zu bestimmten Zeiten feste Einstände, die besonders gute Jagd- und Sammelerfolge gewährleisteten. Die Lachs- und Heringszüge, die Wurfzeit der Robben, Brutreviere der Vögel, Haselnussgehölze usw. garantierten über das ganze Jahr die Nahrungssicherheit. Die danach folgenden Bauernkulturen der Jungstein-, Bronze- und Eisenzeit hatten trotz klimatischer Schwankungen durch die vielfältigen Bodenverhältnisse verhältnismäßig günstige Anbaumöglichkeiten und Erträge. Einwandernde Bevölkerungsgruppen, jahreszeitlich in weiten Zügen nomadisierende Viehzüchter und später auch durchziehende Handwerker sowie Händler brachten neue Kenntnisse und Materialien mit. Sie garantierten so die gesellschaftlichen Fortschritte.
Die nur kurzzeitigen Aufenthalte an Raststellen, die Nutzung von Werkplätzen bis zur Erschöpfung der Rohstoffquellen, das oft jahrhundertelange Aufsuchen bestimmter saisonaler Jagd- oder Sammelstationen, das längere Verweilen der Bauern zumindest vom Frühjahr bis zum Herbst zur Pflege der Ackerkulturen, nach und nach auch länger bestehende Ansiedlungen hinterließen ein scheinbar dichtes Siedlungsnetz. Aber nach maximal 30 bis 60 Jahren musste auch ein recht solide errichtetes Dorf verlassen werden. Die Häuser waren dann schon oft ausgebessert und nicht mehr zu erhalten. Die Böden laugten aus und natürliche Reserven (Holz, Wildfrüchte usw.) erschöpften sich. Sicher spielten die hygienischen Bedingungen beim Verlassen ebenfalls eine Rolle. Oft nur wenige Kilometer weiter bauten die Menschen dann neu. Spätere Kulturen ließen sich hunderte Jahre später manchmal an günstigen Standorten erneut nieder.
Im Landkreis Bad Doberan verfügen wir bisher über 9.071 bekannte, archäologisch relevante Plätze einer bestimmten Kulturgruppe. Über einige Gemarkungen wissen wir sehr viel. Es gibt aber auch Gegenden, aus denen bisher nichts gemeldet wurde. Ca. 80 Prozent der archäologischen Relikte liegen noch im Boden verborgen. 1.180 Fundkomplexe der vergangenen Jahrhunderte lassen sich keinem bestimmten Platz mehr zuordnen.
454 oberirdisch sichtbare Bodendenkmale prägen die Landschaft. Dazu gehören u. a. 65 Großsteingräber oder Steinsetzungen, 279 Hügelgräber sowie 93 mittelalter- und neuzeitliche Burgen, Turmhügel, befestigte Höfe, Kirchplätze, Eiskeller usw. Jährlich gehen 300-400 Fundmeldungen ein. Etwa 70 Prozent davon stammen von bisher nicht bekannten Plätzen.
Entdecken und erleben Sie Geschichte. Dazu möchten Sie die Bodendenkmalpfleger des Landkreises Bad Doberan herzlich einladen.
Volker Häußler Alexander Schacht
Kreisarbeitsgruppe Ur- und Frühgeschichte Kreisbodendenkmalpfleger