Riesen-Bärenklau

Riesen-Bärenklau, Herkulesstaude Heracleum mantegazzianum

Der eigentlich aus dem Kaukasus stammende Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum, Herkulesstaude) ist schon wegen seiner Größe von bis zu 3,5 m unverwechselbar. 1890 kam er als Zier- und Gartenpflanze nach Mitteleuropa; osteuropäische Völker stellten früher daraus Bier her. Sein Verwandter, der Wiesen-Bärenklau (H. spondyleum), ist Bestandteil der heimischen Flora. Der Riesen-Bärenklau verwildert zunehmend, jedoch scheinen neuste Untersuchungen darauf hinzudeuten, dass Elemente der heimischen Pflanzengesellschaften nicht ernsthaft verdrängt werden.

Beide Arten enthalten vor allem in ihrem Saft als toxisch wirksame Substanzen sog. Furocumarine wie Bergapten, Xanthotoxin und Pimpinellin, der heimische Wiesen-Bärenklau sogar etwas mehr als die kaukasische Schwesterart. Diese Cumarin-Derivate, auf die nackte, unbehaarte Haut gelangt, können bei gleichzeitiger oder nachfolgender intensiver Sonnenlichteinwirkung eine phototoxisch entzündliche Reaktion hervorrufen. Die häufigsten Symptome sind Juckreiz, Rötung und Blasenbildung. Während der Schmerz, der einem leichten Sonnenbrand vergleichbar ist, recht schnell abklingt, heilen die Hautveränderungen nur langsam (1 bis 4 Wochen) und unter gelegentlich langanhaltender narbenähnlicher Hyperpigmentierung ab. Bei Abwesenheit von Licht sind solche Reaktionen nicht zu erwarten.

Die Behandlung erfolgt wie bei Entzündungen mit antibiotika- oder glucocorticoidhaltigen Salben. Sofern man den Kontakt sofort bemerkt, reicht i.d.R. ein gründliches Waschen der betroffenen Hautpartien.

Da der Riesen-Bärenklau während der Blütezeit bereits anhand seiner Größe unzweifelhaft erkannt werden kann, ist auch eine Vermeindung von Hautkontakten leicht möglich. Den größten Toxingehalt weist die Pflanze jedoch zwischen April und Mai auf. Es empfiehlt sich daher, Gartenarbeiten grundsätzlich mit Handschuhen durchzuführen und die Hände anschließend gründlich zu reinigen. Eine wirksame Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus ist nur an stark frequentierten Orten, z.B. Kinderspielplätzen empfehlenswert; das Mähen bereits junger und - erst recht - ausgewachsener Pflanzen erweist sich als zwecklos und führt wegen des zeitigen Fruchtansatzes eher noch zur weiteren Vermehrung. Nur im April beim ersten Auftreten der Pflanzen kann durch Ausstechen des Wurzelstockes die Ausbreitung an diesen Stellen verhindert werden.

Es sei abschließend darauf hingewiesen, dass zahlreiche andere Wiesenpflanzen ähnliche allergische Beschwerden hervorrufen können ("Wiesengräserdermatitis"). Viele Menschen reagieren dagegen auf die Bärenklau-Arten überhaupt nicht, und längst nicht jede Bärenklau-Pflanze führt zu den beschriebenen Symptomen. Sofern man die entsprechende Vorsicht walten lässt und seine Kinder auf die möglichen Gefahren hinweist, besteht also kein Grund zur Angst.

In Zweifelsfällen bietet die Informationszentrale gegen Vergiftungen der Universität Bonn einen individuellen, kostenlosen 24-h-Beratungsservice an ( 0228 2873211, Fax 0228 2873214). Im übrigen sind die Hautärzte "vor Ort" mit der Problematik bestens vertraut und leisten rasche Hilfe.

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