Maikäfer

Maikäfer (Melolontha melolontha)

Maikäfer schwärmen zwischen der zweiten Aprilhälfte und Mai oft in großer Zahl aus. Sie halten sich dabei vorwiegend an Waldrändern, in Gärten, Plantagen und auf Wiesen auf und fressen in den Laubgehölzen, bei Nahrungsmangel weichen sie auch auf Nadelbäume (Lärche) aus.

Nach dem ersten Fraß suchen die Weibchen Felder auf, um ihre Eier abzulegen, vorzugsweise in Waldnähe, da sich die Larven von Wurzeln ernähren. Die Eier – bei der ersten Serie 25-30 - werden dabei 20-30 cm tief im Boden abgelegt. Anschließend kehrt das Tier erneut in die Laubbäume zurück. Die zweite Ablage, gelegentlich eine dritte, beinhaltet deutlich weniger Eier in geringerer Tiefe.

Die Larve überwintert zweimal und gräbt sich dann tiefer in den Boden, wo sie sich verpuppt. Noch im gleichen Sommer können die Imagos – die erwachsenen, flugfähigen, jedoch noch nicht geschlechtsreifen Tiere – schlüpfen; sie überwintern noch einmal im Feld.

Im folgenden Frühjahr erreichen sie ihre endgültige Reife und beginnen mit dem Ausschwärmen. Der Maikäfer wurde in der Vergangenheit als Forst- und Baumschädling rigoros verfolgt. Zum einen traten die Imagos mitunter in solchen Massen auf, dass sie Baumbestände regelrecht kahl fraßen. Zum anderen können die Larven (Engerlinge – siehe unten!) vor allem in Baumschulen und Gärten beträchtliche Schäden anrichten. In Wäldern sind die unmittelbaren Schäden weit weniger gering als allgemein befürchtet, da die Larven höchstens einen halben Meter in den Wald eindringen. Allerdings können die Verluste am Waldrand so erheblich sein, dass dieser natürliche Schutzgürtel des Waldes stellenweise zusammenbricht und zu Nachfolgeschäden (z.B. erhöhtem Windbruch) führt.

Aus diesen Gründen ist der Maikäfer in der Vergangenheit stark verfolgt worden. Die Bekämpfung mit Insektiziden war gebietsweise so erfolgreich, dass er stark dezimiert oder gar ganz ausgerottet worden ist. Andererseits hat die intensive Landwirtschaft dazu geführt, dass die dreijährige Larvalentwicklung nicht immer vollendet werden konnte.

Ein dritter Grund seiner Dezimierung war in der gezielten Absammlung der Massenvorkommen zu suchen, denn der Käfer stellte eine willkommene eiweißreiche Abwechslung des Hühner-, Schweine- und Fischfutters dar.

Als Nahrungsmittel für den Menschen spielte er dagegen keine Rolle, obwohl einige Rezepte wie das für eine Maikäfer-Boullion überliefert sind.

Übrigens: Der Mensch des Mittelalters war hinsichtlich des Existenzrechtes der Natur oftmals weiter als der heutige, der geradezu Selbstjustiz gegenüber der Natur betreibt. Davon berichten zahlreiche Strafprozesse gegen Tiere. Das mag naiv klingen, hatte jedoch immerhin einen ethisch anerkennenswerten Hintergrund. So wurden 1320 Maikäfer dazu verurteilt, innerhalb von drei Tagen ein mit Tafeln gekennzeichnetes Feld zu verlassen. Erst nach Ablauf dieser Frist galten sie als vogelfrei und konnten bekämpft werden.

Zu den Engerlingen: In der Wissenschaft von den Insekten, der Entomologie, werden die Larven der Blatthornkäfer, zu denen neben dem Maikäfer auch der Hirschkäfer, der Nashornkäfer und der Mistkäfer gehören, als Engerlinge bezeichnet. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Engerling jedoch fast ausschließlich mit dem Maikäfer in Verbindung gebracht. Allerdings gleichen viele Larven anderer Käfer, z.B. die der großen Lauf- und Bockkäfer, ebenfalls den Engerlingen. Diese sind jedoch in der übergroßen Zahl als Räuber ausgesprochene Nützlinge.

Zu dem Fund eines Maikäfers im Oktober: Es kann aufgrund (für den Maikäfer) ungünstiger Witterungsbedingungen durchaus vorkommen, dass er nach dem Schlupf im Spätsommer wegen anhaltend hoher Temperaturen im September, vielleicht sogar Oktober, beginnt zu fliegen. Dies ist jedoch eine große Ausnahme, da die Käfer meistens nach dem Schlupf in der Erde bleiben.

Suche
User:
Name
Passwort